Betriebsgebäude
Metzler Käse Molke GmbH
Fotos

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Metzler Käse Molke

Entwurf

Der Bergbauernhof der Familie Melitta und Ingo Metzler liegt auf einer aus Kiessedimenten der Bregenzerache geformten Südhangstufe, der Hauptwasserader der alpinen Landschaft des Bregenzerwaldes. Drei Gebäudeseiten aus drei verschieden Zeiten umschließen den Hof. Das 300-jährige Wirtschaftsgebäude aus Holz mit Wohnteil für die Großmutter und Stall für die Kühe erzählen vom Altbauer und Wirtschaftsweisen, die aus der Zeit gekommen sind. Das Wohnhaus der Familie im „Tiroler Stil“ der 70-iger Jahre konterkariert die vermeintliche Bergbauernidylle der Großväter. Die dritte Seite entstand aus unserem Entwurf des Siegerprojektes eines Wettbewerbes, den der Bauer Ingo Metzler initierte:

Das „Fernrohr“ ist in Beton gegossen aus den Kiesen des Flußes, aus dem Material auf dem es steht: ein neuer Stein, ein Findling aus den Bergen in die er schaut. Längsseitig geschlossen, frontal transparent soll das Gebäude innen, wie aussen von der Enge und Weite der Berge erzählen. Wie ein Teleobjektiv fängt es die Bilder der Landschaft ein. Hart konfrontiert der Bau das Alte mit dem Neuen, die Tradition mit neuen Ideen. Um seinen langwierig entwickelten Molkerezepturen für Getränke, Heilsalben und Pflegemitteln, auf Basis der eigenen Kuhmilch, eine Brücke in die Produktion und Vermarktung zu schlagen, verlangte der Bauer hygienisch einwandfreie, den Behördenvorschriften entsprechende, hochmoderne Produktions- und Gebäudetechnologien. Mit traditionellen Holzbautechnologien war dies nicht zu bewerkstelligen. Längs einer transparenten seitlichen Erschließungsachse kann der Besucher linkseitig dem Entstehungsprozeß der Molkeprodukte von der Lagerung bis zur Fertigung folgen. Rechtsseitig öffnen sich Blickbeziehungen in Landschaft und Wiesen, aus der die Grundprodukte kommen: die Milch, die Kräuter und die Blumen des Bregenzerwaldes. Dreigestaltig und entlang der schiefen Geländebene verschoben gestaffelt, faltet sich das Gebäude wie ein kleiner Bergrücken in die grüne Wiese. Langsam wächst „Gras“ über ihn: Wilder Wein soll sich über die Jahre an den Betonwänden emporranken. Wie die Bäume folgt dieser den Jahreszeiten. Im Winter steht der Bau hart und kahl im Schnee, im Frühjahr wacht er wie die Pflanzen auf und beginnt zu sprießen, im Sommer trägt er ein grünes Kleid, im Herbst einen purpurroten Mantel.

Wir wollten keine Maske bauen, die Bergbauernidylle und Jodlerromantik vortäuscht. Auch der Bauer und Einheimische aus den Alpentälern wollen endlich mal Altes hinter sich lassen und nicht immer das machen, was touristisch von ihnen erwartet wird. Wir versuchten mit ihm Neues und Anregendes zu gestalten. Wir wollten etwas Bauen, das erzählt von dem, wie wir die Berge erleben aus denen wir kommen.
 

Technische Beschreibung

Alle Außenwände sind in Sichtbeton und alle anderen konstruktiven Bauteile in Beton gegossen. Außer den Innendecken und -wänden sind alle Bauteile geneigt. Die Außenwände neigen sich mit 5°, das Dach mit 2°. Die Produktionsräume sind kerngedämmt mit Sichtbetonwand innen, alle Wände in den Lagerräumen innen gedämmt mit GKP-Vorsatzschale, die Besucherräume innen mit Holzverschalung in den Erschließungswegen (Seekiefer) sowie dem Ausstellungs- und Verköstigungsraum im UG (Fichte roh, gebürstet). Alle Gläser innen wie außen sind aus produktionstechnischen und hygienischen Gründen in Alu-Pfosten-Riegelkonstruktion ausgeführt. Längs der gesamten Erschließung trennt eine Glaswand innen Besucher und Produktion. Alle Böden, außer dem Ausstellungsraum (Fichte roh, gebürstet) sind mit Kunstharzestrichen ausgestattet. Nach Süden, nach Norden, über durch die Staffelung der Baukörper geschaffenen seitlichen Lichtschlitze und Oberlichten belichtet sich das Gebäude untertags natürlich, trotz Geschlossenheit nach Osten und Westen. Die seitlichen Schlitze ermöglichen einerseits ein Einfügen von Rampen und Stiegen, andrerseits öffnen sie sich für Licht und Blicke nach außen. Geheizt wird das Gebäude von einer zentralen Heizanlage für den gesamten Bauernhof. Eine Summe von bautechnischen und hygienischen EU- und österreichischen Behördevorschriften erschwerten die Umsetzung des Bau's sehr.
 

Beschreibung der Rolle des Bauherren von der Seite des Architekten

Über einen vom Bauherr Ingo Metzler zwischen vier Architekten initierten Wettbewerb, wollte dieser eine gute und neue Idee für sein Betriebsgebäude zur Herstellung von Käse- und Molkeprodukten finden. Alle vier Architekten wurden mit einem Honorar von damals 25 000,- ATS netto entschädigt. Wir schätzten diese von ihm gewählte Vorgangsweise, privat einen kleinen Wettbewerb auszuschreiben, sehr. Dies auch deshalb, da sich er als Bauer entschloß sich unabhängig von der Landwirtschaftskammer und Agrarbezirksbehörde zu machen, und sich selbst eine Idee zu holen. Unsere Idee gefiel ihm und seiner kleinen Jury funktional und konzeptionell am besten.
Danach setzte der Bauherr ein paar präzise Rahmenbedingungen.
Produktionstechnisch machte er mit einem definierten Maschinenpark und ausdetaillierten Fertigunsabläufen klare funktionale Vorgaben. Seine Besucher sollten entlang seiner gesamten Produktionsschiene Einblick in die Fertigung seiner Produkte erhalten und parallel dazu die umliegende Landschaft wahrnehmen können. Einerseits war ihm die Vermittlung eines modernen, innovativen Bauernbetriebes wichtig, andrerseits sollte die biologische Arbeitsweise und Produktlinie, die er vertritt, nach außen hin verstärkt werden.
Mit Ingo Metzler war es angenehm zu arbeiten. Aufgeschlossen und offen trug er unsere Idee ohne viel „Wenn und Aber“ mit, auch wenn er manch harte Kritik in seiner unmittelbaren Umgebung einstecken musste.

 

 

Baudaten  
Bauherr Metzler Käse Molke GesmbH, Bruggan 1025, 6863 Egg
Standort w.o.
Architektur moa – metzler.ohneberg architekten
Projektleitung metzler + ohneberg
Bauleitung Bmst. Fritz Feuerstein, Andelsbuch
Statik DI Flatz Markus, Bregenz
Bauphysik Lothar Künz, Hard
HSL-Planung Werner Dür, Lauterach

 

Handwerker

Baufirma Moosbrugger, Andelsbuch
Installationen Fink Walter, Schwarzach
Elektroinstallationen Dünser Walter, Lingenau
Spenglerei Rusch, Alberschwende
Alukonstruktion Schlosserei Maurer
Glaser Hanslik + Wörndle, Garmisch-Partenkirchen
Schlosser Felder Anton, Andelsbuch
Trockenbau Form-Art, Lauterach
Tischlerei Hammerer Josef, Egg
Tischlerei Flatz Andreas, Egg

 

Planungsbeginn – Wettbewerb 06 1998
Planungsende 06 2000
Baubeginn 08 2000
Baufertigstellung 11 2001
Grundstücksfläche 2815 m²
Bebaute Fläche 285 m²
Umbauter Raum 1755 m³
Nettonutzfläche 460 m²
Baukosten 725 000 €


Fotos

Felder Images, Mellau